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Reiki in Japan

Was ist die Essenz von Reiki? Was ist nur Form?

Reiki Gruppe in Tokio
Reiki Anwender in Tokio

Im Frühjahr 2008 bin ich mit Frank Arjava Petter nach Japan gereist, um bei Tadao Yamaguchi den ersten und zweiten Grad im Japanischen Reiki (Usui Reiki Ryoho) zu lernen. Tadaos Mutter hat noch von Chujiro Hayashi Reiki gelernt, sie nennen ihr Reiki daher Jikiden - direkte Lehre. Mein Motiv ist mir unklar. Einerseits praktiziere ich schon 8 Jahre lang das westliche Reiki in der Linie Takata - Reiki Network, bin Reiki Meister geworden, weil ich ein inneres Wissen habe, dass Reiki, das grösste Geschenk meines Lebens, funktioniert. Auf der anderen Seite ist da diese Neugierde. Das Unerklärliche übt eine starke Anziehungskraft aus, erforscht zu werden. Ich denke, es ist ein Stück weit Network Tradition, hinter die Kulissen zu schauen. Ob ich wohl Bestätigung für unsere Lehre finde, für unsere Methoden und natürlich für unsere Symbole? Warum stelle ich meine Konzepte um Reiki in Frage? Wie sich herausstellt, bin ich auf dem Weg der Zerstörung. Typisch Reiki möchte ich sagen. Denn Frau Takata hat die Symbole und die Einweihungen anders unterrichtet, als es ihr Lehrer Chujiro Hayashi in Japan getan hat. Da soll noch mal einer die zerstörerischen Kräfte des Weiblichen in Frage stellen. Das meine ich hoch philosophisch. Ohne Frau Takata wäre Reiki vermutlich nie populär geworden.

Die Einweihung ist wie eingangs erwähnt anders. Sie fühlt sich sehr gut an. Ich bin tief berührt. Ich erfahre, dass es bei Mikao Usui und Chujiro Hayashi nur eine Einweihung gegeben hat, die innerhalb des Kurses, bei Gelegenheiten danach und auch über die verschiedenen Grade immer wieder gegeben worden ist.

Reiki wird prinzipiell so beschrieben wie wir es im Reiki Network tun, allerdings bekommt das Konzept der regelmässigen Selbstbehandlungen weniger Gewicht. Meiner Meinung nach gibt es nichts wichtigeres am Reiki, und so bin ich froh über die Lektionen von Frau Takata und den Unterrichtsstoff im Reiki Network, selbst wenn diese eine Modifikation darstellen.

Der Zweck der 3 Reiki Symbole ist ähnlich, der Einsatz ist restriktiver und deutlich abgegrenzt. Die Technik der Anwendung, die Symbole selbst und deren Mantren sind durchweg verschieden. Ich sehe die Wurzeln der Symbole, die im Sanskrit, chinesischer und japanischer Kalligraphie liegen, und die Herleitung von Ursprung zu Symbol ist eindrücklich, macht Sinn und fühlt sich gut an. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Symbole funktionieren.

Andererseits kann ich aus Erfahrung auch sagen, dass die Symbole und die Einweihungen im westlichen Usui Shiki Ryoho gleichfalls funktionieren. Es ist offensichtlich, dass einige Anwendungen im Lauf der Zeit hinzugefügt worden sind und andere sich verändert haben.

Schrein am Gipfel des Kurama Berges
Auf dem Gipfel des Kurama Berges
Vorsicht mit den Zehen - nicht über die Wurzeln stolpern!

Ich bin irritiert. Symbole haben im Reiki eine grosse Bedeutung. Wir wissen, dass bestimmte Abfolgen bestimmter Linien einen bestimmten Effekt hervorrufen. Wie C. G. Jung geschrieben hat, sind Symbole Energiefelder, die andere Energiefelder freilassen und transformieren können. Da stehe ich nun, und mein Konzept von Symbolen wird tief erschüttert. Wie kann ich einer anderen Regel folgen und noch immer das gleiche erreichen?

Im Hinterfragen meines Konzeptes finde ich eine manipulative Komponente. Es ist das »Erreichen«. Ich glaube, dass ich durch die Anwendung bestimmter Muster mein Umfeld beeinflussen, steuern und kontrollieren könne, dass ich es z.B. sicherer machen könne, dass ich Reiki bei jemanden anschalten könne u.s.w. Letzten Endes denke ich damit manipulativ.

Kontrolle aber gibt es nicht, und erreichen kann ich gar nichts. Wenn ich Kontrolle hätte, dann hätte ich sie für immer, sonst wäre es keine Kontrolle. Das hiesse gleichzeitig, dass niemand sonst Kontrolle haben könnte. Was für ein Widerspruch! Es würde auch bedeuten, dass ich von meinem Umfeld getrennt wäre, denn wie könnte ich es sonst kontrollieren. Aber auch hier muss ich eingestehen, dass meine Wahrnehmung der Umgebung einen Effekt auf mich hat und meine Reaktion meine Umgebung ändert.

Im Grunde bin ich nur ein Beobachter innerhalb des Systems. Ich bin Teil der Formel, die ich ändern möchte. Es ist wie eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Sie hat unendlich viele Lösungen. Je nachdem, wie ich meine Welt anschaue (dem Augenblick meine Aufmerksamkeit schenke) muss der Rest der Formel die Gleichung ausbalancieren. Reiki ist eine spezielle Art und Weise, auf das Leben zu schauen, Konzepte von Einheit, Harmonie und ursprünglichem Bewusstsein abzurufen. Wenn das mein Fokus ist, so ist der Effekt unausweichlich. Mit den Symbolen erzeuge ich nichts und bewege ich nichts, ich benutze sie als Mittel oder Werkzeug, um Reiki in Fokus zu nehmen, um Reiki abzurufen, um an Reiki zu erinnern. Es ist wie die Betrachtung von Felsmalereien in einer dunklen Höhle. Ich kann eine Taschenlampe mit gelbem Griff verwenden, ich könnte aber auch eine Taschenlampe mit rotem Griff nehmen. So fühlt es sich an, wenn ich über Diskussionen unter Takatas Studenten lese, wessen Reiki nun authentischer sei. Da lässt die Ironie des Lebens grüssen, denn jetzt stellt sich heraus, dass alle Studenten ziemlich weit weg von der japanischen Methode sind - dort wird nämlich eine grüne Kerze verwendet, um die Malereien zu bestaunen.

So wie Religionen darum kämpfen, die einzig wahrhaftige zu sein, so könnte man auch um die Wahrhaftigkeit der Reiki Symbole streiten. Aber auch auf Wahrheit trifft das oben gesagte zu. Ich könnte Wahrheit nur erkennen, wenn ich getrennt davon wäre. Als Teil der Formel kann ich Wahrheit nicht erkennen, ich kann nur beobachten und die Beobachtung ansprechen. Die Antwort liegt eher in dem Bewusstsein, mit dem ich das tue. Das Missverständnis von Wahrheit oder der Richtigkeit eines Werkzeugs hat für mich mit einer Fehlwahrnehmung zu tun. Es ist das am meisten untergrabende Glaubenssystem, von der Welt getrennt zu sein und eine Identität zu haben. Daraus erwachsen alle anderen Glaubensmuster. Könnte ich mich doch als grossartig, unbedeutend und ALL-EIN erfahren! Aus der Interpretation des Gegenteils, dem Bewusstsein von Trennung, folgt der Drang nach Wichtigkeit, die Sucht, etwas tun (manipulieren) zu müssen.

Nehmen wir ein anderes Beispiel. Ich kann das Wort »Liebe« oder irgendeine symbolische Nachricht in Japanisch oder Hawaiianisch aufschreiben. Der Schlüssel des Ansprechens steht hinter diesen Buchstaben, die ich aufschreibe. Schliesslich passiert weiter nichts, als das ich erinnere, abrufe und auf die Essenz hinter »Liebe« fokussiere. Dazu muss ich das Alphabet lernen, das ich nutzen möchte, und ich muss ein tiefes Verständnis davon haben, was Liebe bedeutet. So ist es mit den Symbolen. Ich kann die japanischen Symbole verwenden oder die Symbole, die Frau Takata unterrichtet hat. Es macht Sinn, die millionenfach angewandten Symbole zu benutzen. Dahinter steht eine starke Matrix. Sie quadriert die Summe des Wissens aller einzelnen Anwender. Das Werk wird weniger anstrengend.

Wenn ein Student und ich in einer Initiation zusammenkommen, kann ich mit beiden Werkzeugen die Aufmerksamkeit auf Reiki richten, und der Student wird Reiki gewahr. Ich schalte in dem Sinne kein Reiki an, sondern Bewusstsein trifft sich, der Student möchte Reiki erfahren, und ich nutze meine Taschenlampe oder meine Kerze, um darauf zu leuchten, den Fokus zu ändern. Die Formel verschiebt sich.

Es wird nicht viel getan. Etwas unwichtiges und grossartiges passiert...

Axel Ebert • Juni 2008

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